Da sämtliche Kosten der Fracht, die an Bord waren sowie die Kosten für die Wiederflottmachung des Schiffs durch alle Beteiligten geteilt werden, kann bei einer Havarie Grosse die Höhe der Kosten über den eigentlichen Wert der Waren hinaus gehen. Dies gilt auch, wenn die eigene Ware unbeschadet am Zielort angekommen ist. Gesamtschäden von 50 Millionen Euro bis in die Milliarden sind bei schweren Havarien nicht ungewöhnlich.
Im Falle einer Havarie Grosse hat eine Reederei das Recht, die (unbeschädigte) Ware einzubehalten, bis der Eigentümer seinen Kostenanteil für die Havarie Grosse gezahlt hat.
Die endgültige Ermittlung und Abrechnung der fälligen Beiträge kann Jahre dauern. Aus diesem Grund erwirkt der Ladungsempfänger oft eine unmittelbare Herausgabe der Ladung gegen Stellung von Sicherheiten.
Hier einige Schadensbeispiele:
- Strandung (z.B. Auflaufen des Schiffes auf eine Sandbank)
- Kollision eines Schiffes mit Riffen, Felsen oder Eisbergen
- Feuer, welches an Bord des Schiffes ausbricht
- Motor- oder Ruderschaden des Schiffes
- Festsitzen des Schiffes durch Niedrigwasser, ins Besondere in Hafennähe, zum Beispiel an der Elbe
Transportversicherung als Schutz vor potenziellen Kosten bei einer Havarie Grosse
Das Risiko, aufgrund einer Haverie Grosse unerwartet hohe Kosten begleichen zu müssen, kann von speziellen Versicherungen abgesichert werden.
Sichern Sie sich und ihre Fracht vor den hohen Kosten einer Havarie Grosse mit einer Transportversicherung ab. Unverbindliche Informationen über Transportversicherungen erhalten Sie bei Ihrem Röhlig Ansprechpartner.
Die Röhlig Transport Insurance bietet Ihnen Sicherheit zu einem wettbewerbsfähigen Preis. deckt den Verlust oder Schaden, unabhängig ob diese auf der Straße, auf der Schiene, in der Luft oder auf dem Seeweg befördert wird.
Bekannte Havarien
Katastrophen auf dem Meer oder in Häfen und Schiffsunglücke sind seit Beginn der Seefahrt bekannt.
Tankerunglücke, bei denen hunderttausende Tonnen Rohöl ins Meer gelangen, zählen dabei zu den bekannteren Havarien. Mediale Aufmerksamkeit erhielten dabei beispielsweise die AMOCO CADIZ, die 1978 vor der Küste Frankreichs havarierte, der Öltanker EXXON VALDEZ, der 1989 vor Alaska auf Grund lief wobei 40.000 Tonnen Rohöl in arktische Gewässer ausliefen, 1999 die ERIKA in der Biskaya oder die PRESTIGE, welche 2002 vor der spanischen Küste havarierte.
Havarie: Kreuzfahrtschiff Costa Concordia
Das italienische Kreuzfahrtschiff der Reederei Costa Crociere kollidierte im Januar 2012 im Mittelmeer mit einem Felsen. Dabei schlug das Schiff leck und wurde manövrierunfähig vom Wind in Richtung der Insel Giglio gedrückt. Dort lief der Luxusliner, der bereits mit Wasser vollief auf Grund und kippte mit der Zeit auf 65 Grad Schlagseite.
Die Havarie forderte 32 Todesopfer. Bei diesem Schiffsunglück konnte eine große Umweltkatastrophe, die ein Austreten der 2.400 Tonnen Schwer- und Dieselöl ausgelöst hätte, abgewendet werden. Nach Abschluss der Bergungsarbeiten im Juli 2017 wurden die Kosten des Unglücks auf 1,5 Milliarden Euro geschätzt. Die Bergung des Schifffs war somit dreimal so teuer wie der Baupreis des Kreuzfahrtschiffs.
Havarie im Suezkanal: Ever Given
Die „EVER GIVEN“ zählt zu den größten Containerschiffen der Welt. Am 23.03.2021 lief das Schiff bei starkem Wind an einer Uferböschung des Sueskanals auf Grund. Sie stellte sich dabei schräg und blockierte die Durchfahrt des Sueskanal für sechs Tage. Am 1. April 2021 haben die Schiffseigner das Unglück als Havarie-Grosse deklariert. Die Schadenssume wird derzeit noch ermittelt. Durch die Bergung und die entstandenen Verzögerungen sei bisherigen Schätzungen zufolge etwa eine Milliarde Doller an Schaden entstanden.
Havarie: Das Containerschiff MV X-Press Pearl brennt vor der Küste Sri Lankas
Am 20.05.2021 brach auf dem Containerschiff „MV X-Press Pearl“ vor der Küste Sri Lankas ein Feuer aus. Die aus Mikroplastik und Salpetersäure bestehende Fracht war auf dem Weg von Indien nach Singapur als aufgrund eines Sturms eine Chemikalie aus einem Container austrat, welche eine chemische Reaktion ausgelöste und diese schließlich zum Feuer geführt habe. Die 25-köpfige Besatzung des unter singapurischer Flagge fahrenden Frachters konnte das Schiff rechtzeitig verlassen. Hubschrauber der Armee warfen brandhemmende Chemikalien auf das Schiff ab, um den Brand zu löschen. Die Ladung gelangte ins Meer und führte zu unzähligen getöteten Meeresbewohnern. Die umliegenden Strände sind mit Mikroplastik verschmutzt worden.